Kanzleien, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Beratung
In den freien Berufen ist KI vor allem generative KI: Recherche, Entwürfe, Zusammenfassungen, Übersetzungen. Hochriskant ist das in aller Regel nicht. Die Pflichten der KI-Verordnung sind überschaubar; die eigentlichen Anforderungen kommen aus dem Berufsrecht.
Was aus der KI-Verordnung folgt
- KI-Kompetenz der Berufsträger und Mitarbeitenden (Art. 4): Grenzen der Systeme, Fehlerquellen, Umgang mit Mandatsdaten.
- Transparenz bei Chatbots: Mandanten müssen erkennen können, dass sie mit einer KI interagieren (Art. 50 Abs. 1). Die Pflicht trifft den Anbieter, also auch die Kanzlei, die einen Chatbot unter eigenem Namen betreibt.
- Hochrisiko nur in Sonderfällen: bei KI-Systemen, die im Auftrag einer Justizbehörde oder in der alternativen Streitbeilegung zur Ermittlung und Auslegung von Sachverhalt und Recht eingesetzt werden (Anhang III Nr. 8 Buchst. a), bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit natürlicher Personen (Nr. 5 Buchst. b) und als Arbeitgeber im Personalbereich (Nr. 4).
- Rollenwechsel: Wer eigene KI-Werkzeuge unter eigenem Namen an Mandanten weitergibt, wird Anbieter.
Was das Berufsrecht verlangt
Verschwiegenheit nach § 203 StGB und den Berufsordnungen, Datenschutz und Auftragsverarbeitung, Eigenverantwortlichkeit der Berufsausübung. Bei Cloud-Diensten sind die Voraussetzungen für die Offenbarung gegenüber Dienstleistern zu beachten (§ 203 Abs. 3 und 4 StGB, § 43e BRAO, § 62a StBerG, § 50a WPO). Die Bundesrechtsanwaltskammer hat Hinweise zum Einsatz von KI veröffentlicht (Stand Dezember 2024), die Bundessteuerberaterkammer ein FAQ zu KI im steuerberatenden Berufsstand (Stand Januar 2026).
Für Wirtschaftsprüfer und Prüfer
Mit der KI-Verordnung entsteht ein neues Prüfungsfeld: Mandanten fragen nach Einstufung, Inventar und Nachweisen. Die Prüfcheckliste ordnet jede Anforderung den Nachweisen zu, die ein Prüfer erwarten wird.
Quellen
- KI-Verordnung (EU) 2024/1689
- § 203 StGB
- § 43e BRAO
- § 62a StBerG
- § 50a WPO
- BRAK, Hinweise zum Einsatz von KI (12/2024)
- BStBK, FAQ KI im steuerberatenden Berufsstand (01/2026)
Geprüft am 14.10.2026 gegen die verlinkten Originalquellen.
Checkliste für diese Branche
Prüfcheckliste Kanzleien, Steuerberatung und Beratung, 110 Fragen: Kern der KI-Verordnung, Fragen für jeden Arbeitgeber (Bereich T) und das Branchenmodul mit Fachrecht und Aufsicht dieser Branche (Bereich S). Jede Frage mit Rolle, Geltungsdatum, Soll-Maßnahme, Nachweisen und Fundstellen.
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Richtlinien und Arbeitsanweisungen für diese Branche als Word-Dateien: KI-Richtlinienpaket (kostenpflichtig).